Stellungnahme zum Artikel „Was dem Krebs hilft“

Veröffentlicht am 10.02.2016

Stellungnahme zum Artikel der SZ vom 16.10.2015

Herr Bartens schreibt in der Süddeutschen Zeitung am 16.10.2015 unter der Rubrik „Wissen“, dass niedrig dosierte Nahrungsergänzungsmittel und „Pülverchen aus der Apotheke“ die Metastasierung von Tumoren befeuern, wobei er allerdings schon selbst einschränkt, dass die von ihm zitierten Erkenntnisse aus Tierversuchen stammen, welche sich oft nicht auf den Menschen übertragen lassen.

Der Autor hat für seinen Artikel leider weder ausreichend recherchiert noch hat er sich bei Kennern der komplementären Onkologie mit Mikronährstoffen informiert. Er erwähnt zudem nicht, welche der vielen verschiedenen Antioxidantien in welcher Dosierung für seine negative Aussagen verantwortlich sind. Die von ihm erwähnten niedrig dosierten Nahrungsergänzungsmittel und „Pülverchen aus der Apotheke“ sind jedenfalls vor allem als Ergänzung zur Basisversorgung mit Nährstoffen gedacht und werden nicht für die Krebstherapie verwendet. Seine Argumentation ist deshalb schon im Ansatz nicht korrekt.

Es stimmt jedoch, dass „unter starkem oxidativem Stress die meisten metastasierenden Krebszellen absterben“. Deshalb nutzt die Onkologische Therapie seit langem Mechanismen, die Radikale erzeugen, wie bestimmte Chemotherapeutika und Bestrahlung in hoher Dosierung.

Aber auch dem Antioxidans Vitamin C wird schon lange nachgesagt, dass es in hoher Dosierung prooxidativ wirken könne (vgl. Lee SH 2001, Podmore ID 1998). Tatsächlich kann hochdosiertes parenteral zugeführtes Vitamin in Krebszellen prooxidativ wirken und unter anderem das Metastasierungsrisiko reduzieren. Deshalb können Krebspatienten ganz im Gegenteil zu den Aussagen von Herrn Bartens von komplementär in der Krebstherapie verwendetem Vitamin C profitieren und unter anderem ihr Metastasierungsrisiko reduzieren (Fritz H 2014, Ma Y 2014, Frömberg A 2011, Chen P 2011, Kang JS 2005, u.a.). Ganz in diesem Sinne zitiert Herr Bartens im letzten Satz seines Artikels wie folgt: „Vielleicht sollten wir …. Tumoren sogar mit Prooxidanten behandeln“. Dem ist aus unserer Sicht eigentlich nichts hinzuzufügen.

Dr.med. Udo Böhm